Unser Schulprogramm

Vorbemerkung

Die Grafeneckschule muss als Grund- und Werkrealschule dem Bildungs- und Erziehungsauftrag in ganz besonderer Weise gerecht werden. Trotz des ländlichen Umfeldes mehren sich die Herausforderungen im pädagogischen Alltag:

• stark heterogene Lerngruppen

• zunehmende Verhaltensauffälligkeiten in allen Klassen

• vermehrt Schülerinnen und Schüler in Maßnahmen der Jugendhilfe

• vermehrt Schülerinnen und Schüler in therapeutischen Maßnahmen

• häusliche Betreuungssituation teilweise nicht oder nur eingeschränkt vorhanden

Bildung in einem umfassenden Sinne kann nur noch gelingen, wenn die Kinder und Jugendlichen ein Umfeld vorfinden, in dem sie Wirksamkeitserfahrungen machen und sich als vollwertiges Mitglied einer sozialen Gruppe erleben können. Dies bildet die Grundlage für Lernerfolge und effektiven Unterricht. Um es in mit von Hentig kurz und klar zu formulieren: „Die Sachen klären, die Menschen stärken“!

Zusätzliche Anforderungen ergaben sich aus dem Beschluss der Schulträger zur Eingliederung der Werkrealschulen Waibstadt und Neckarbischofsheim in die Grafeneckschule als Werkrealschule neuen Typs. Im Schuljahr 2009/2010 erarbeitete das Kollegium der Grafeneckschule die Grundlage für die Zusammenführung der drei Schulen, die dann im Schuljahr 2010/2011 mit der Implementierung der Schulsozialarbeit als flankierender Maßnahme umgesetzt wurde. Dieser Integrationsprozess hat die oben aufgeführten Problemstellungen verschärft.

Um all diesen Herausforderungen zu begegnen, bieten sich auch viele Chancen, die das Haus und seine Menschen als Grundvoraussetzung mitbringen:

• offenes, freundliches Haus mit guter Ausstattung (Optimierungspotential gibt es immer)

• Freigelände mit enormen Möglichkeiten

• Schulsozialarbeit mit ausgesprochen hoher Akzeptanz bei Schülern, Lehrern und Schulleitung

• kleine Klassen mit großer Nähe zwischen Schülern und Lehrern

• Kooperation mit SRH

• soziales Lernen in Kooperationsklassen

• Grundstrukturen für Ganztagsbetreuung

• Diagnostische und therapeutische Expertise

• Raumangebot durch abnehmende Schülerzahl

• Anbindung an die S-Bahn

 

Am Ende des Schuljahres 2010/2011 führte das Schulentwicklungsteam eine um-fangreiche Befragung und Einzelinterviews im Kollegium durch, um die Stellen mit den höchsten Reibungsverlusten zu identifizieren. Das Schuljahr 2011/2012 war dann der Interpretation und Aufarbeitung der Ergebnisse gewidmet. Das Schuljahr 2012/2013 stand im Zeichen einer Schulprofilentwicklung, die die Basis für das vorliegende Konzept bildet.

 

 


Pädagogische Leitgedanken

Die Grafeneckschule begreift ihre Schüler nicht als defizitär, sondern sieht die Ent-wicklungsmöglichkeiten des Individuums.

Mit Hilfe von vielfältigen Unterrichtsformen und –methoden werden die Schüler zu eigenverantwortlichem Lernen angeleitet. Im lebensnahen und fächerübergreifenden Unterricht erweitern die Schüler selbsttätig ihre Kompetenzen.

Die Grafeneckschule legt Wert auf eine Lernatmosphäre, die geprägt ist von einem respektvollen Umgang miteinander. Unsere Schule ist ein Lebensraum, indem sich alle am Schulleben Beteiligten wohl fühlen und angstfrei begegnen können. Dazu gehören sowohl Bereiche der Ruhe wie auch der Bewegung.

Die behindertengerechte Ausstattung unserer Schule und die damit ermöglichten Außenklassen der Stephen-Hawking-Schule Neckargemünd gestatten ungezwungene Kontakte von Menschen mit und ohne Behinderungen. Zudem finden intensive Kooperationen einzelner Klassen statt.

Schule und Eltern haben als gemeinsames Interesse die Entwicklung der Schüler. Um eine erfolgreiche Erziehungsarbeit leisten zu können, streben alle an diesem Prozess Beteiligten die gleichen Ziele an.

Die Kooperation mit Eltern und außerschulischen Partnern führt zu einem erfolgreichen und lebendigen Schulleben und gewährleistet die Umsetzung vielfältiger Projekte und Vorhaben. Gemeinsame Feste und Veranstaltungen bereichern das Schulleben und öffnen die Schule für die Bevölkerung.

Besonders die Werkrealschule hat es sich zum wesentlichen Ziel gesetzt, die Schüler auf ihrem Weg ins Berufsleben vorzubereiten und zu begleiten. Hierzu ist eine intensive Kooperation mit außerschulischen Partnern unerlässlich.

Die erzieherische Arbeit der Lehrkräfte an der Grafeneckschule orientiert sich an abendländischen (christlichen) Normen und Werte; sie erzieht zu Freiheit, Toleranz, Demokratie und Selbstständigkeit.

Schule als Lebensraum bedeutet für alle am Schulleben Beteiligten für eine mög-lichst angenehme, angst- und stressfreie Lernatmosphäre zu sorgen. Die vorhandenen Arbeitsgemeinschaften sowie die unterrichtlichen Ergebnisse bereichern mit ihren Arbeiten und Beiträgen die Lernatmosphäre an der Grafeneckschule. Sie gestalten und wirken bei Feiern und Festen mit und tragen somit zur Öffentlichkeitsarbeit bei. Die Schüler und Schülerinnen erhalten über eine intensive SMV – Arbeit die Möglichkeit der Mitbestimmung. Anregungen vonseiten der Schüler und Schülerinnen werden aufgegriffen, besprochen und sollten möglichst im schulischen Alltag umgesetzt werden. So entstehen Aktivitäten wie Sportveranstaltungen, Feiern und andere Freizeitaktivitäten. Die Arbeit in der SMV gibt den Schüler und Schülerinnen erste Einblicke in politi-sches Handeln und somit den demokratischen Gedanken näher. Ein SMV – Lehrer dient als Verbindungsglied zwischen Schülern und Lehrerschaft.

Lehren und Lernen

Um jeden Schüler individuell die bestmögliche Unterstützung auf seinem Weg zu geben, werden wir unseren Erziehungs- und Bildungsauftrag ständig reflektieren, evaluieren und ggf. nachbessern.

Die Unterrichtsgestaltung sollte so gestaltet werden, wie es die Selbstentfaltung des Schülers und die schulischen Ziele erfordern. Hierzu werden im Unterricht vielfältige Methoden angewandt.

In regelmäßigen Abständen werden fächer- und jahrgangsübergreifende Projekte verschiedener Ausrichtungen angeboten.

Die Kollegen und Kolleginnen sind angehalten entsprechende Fortbildung wahrzunehmen. Die Inhalte der Fortbildungen sollten jeweils in geeigneter Form an die Kollegen weitergegeben werden.

 


Leitziel

„Unser Ziel ist es, einen Raum zu schaffen, in welchem die Schülerinnen und Schüler zu verantwortungsbewussten, sozialkompetenten und handlungsfähigen Men-schen heranwachsen können.“

Aus diesem Ziel ergibt sich ein sozial geprägtes Profil mit dem Schwerpunkt Prävention, das seine Schärfung durch die Begriffe Reife und Ausbildungsfähigkeit („Fit für den Beruf“) im WRS-Bereich erhält. Auch in der Grundschule steht die Prävention im Vordergrund. Ebenfalls im Rahmen des Präventionsprogramms und im ganzheitlichen Sinne wird das Schulprofil für die Klassen 1 bis 4 „Gesunde Grundschule" im alltäglichen Unterricht und Miteinander umgesetzt.

Didaktische Implikationen

Die drei Begriffe des Leitzieles bilden unter pädagogischen Gesichtspunkten ein magisches Dreieck und stehen in gegenseitiger Interaktion. Sie korrespondieren mit didaktischen Prinzipien wie Selbsttätigkeit, Handlungsorientierung und Partizipation. Im Grunde werfen sie aus unterschiedlichen Positionen ein Licht auf den gleichen didaktischen Prozess. Um unser Ziel zu erreichen und diese Worte mit Leben zu füllen, wollen wir jedem Begriff ein systematisches unterrichtliches Handeln zuordnen, das strukturell über den Stundenplan abgesichert ist.

Verantwortungsbewusstsein Um das Verantwortungsbewusstsein zu stärken, sollen die Schülerinnen und Schüler zunehmend zum Subjekt des Lernens werden. Die Grafeneckschule wird sich ab dem Schuljahr 2013/2014 auf den Weg machen, selbstorganisiertes Lernen einzuführen. Im ersten Schritt werden für alle Klassen der Schule 2 Wochenstunden (Mittwoch, 6. Std./Do., 1. Std.) im Stundenplan für SoL mit den Klassenlehrern besetzt. In diesen Stunden arbeiten die Schülerinnen und Schüler über einen Zeitraum von mehreren Wochen selbstständig an Aufgabenstellungen, die die Lehrkräfte zuvor aus dem Bildungsplan in Lerninhalte für diesen Zeitraum umgesetzt haben. Je nach Versorgung mit Deputatsstunden werden diese Selbstätigkeitsstunden durch Fachlehrer aufgedoppelt. Dabei ensteht auch die Möglichkeit zum individuellen Coaching. Um die Fortschritte der Lernenden zu dokumentieren, werden wöchentlich die Lernphasenpläne unterschrieben und vom Lehrer gegengezeichnet. Am Ende jeder Lernphase wird eine individuelle Überprüfung des Lernerfolgs stattfinden. Durch die Verankerung im Stundenplan soll die Nachhaltigkeit des Programms gesichert und die Verbindlichkeit für alle Klassen verdeutlicht werden. Zugleich bietet diese strukturelle Maßnahme, die Möglichkeit langfristige Projekte oder Werkstattunterricht ohne organisatorische Probleme in die Fläche zu bringen. In einem Ausbaustadium ist es geplant, das selbstorganisierte Lernen von Raum, Lehrern und Klassen zu lösen, sodass alters- und themenübergreifende Lerngruppen entstehen können (miteinander und voneinander lernen). Offen bleibt momentan, inwieweit die Raumsituation eine Teilung der Lerngruppen zulässt.

Sozialkompetenz

Der Bildungsplan setzt wichtige Meilensteine der Sozialerziehung in allen Jahrgangsstufen und mehreren Fächern bzw. Fächerverbünden. Wir wollen alle diese Aktivitäten bündeln und im Rahmen des Schulcurriculums als „Fach“ abbilden. Dieses Fach wird ebenso wie die SoL-Stunden verbindlich im Stundenplan unter dem Titel „Fit für´s Leben“ festgezurrt. Das Curriculum für dieses Fach entsteht unter dem Leitsatz Prävention statt Intervention und sieht Kinder und Jugendliche nicht aus einem defizitären Aspekt, sondern stärkt sie in ihrer Persönlichkeit und ermöglicht ihnen Wirksamkeitserfahrungen. Den programmatischen Überbau bilden dabei die Anforderungen aus dem Projekt „stark.stärker.WIR“ sowie die Erfahrungen aus drei Jahren Schulsozialarbeit. Die Grafeneckschule nutzt dabei Synergieeffekte, die aus der Zusammenarbeit des Kollegiums mit externen Experten entstehen und damit auch zur Öffnung der Schule ins Leben beitragen. Die Bausteine des Sozialcurriculums entstehen auf Basis der Vorschläge von Frau Wilhelm (SSA). Diese Bausteine bestehen aus den Inhalten des Bildungsplanes bzw. werden um Inhalte der sozialpädagogischen Praxis ergänzt und spiralförmig nach Jahrgangsstufen aufgebaut.

• „Fit fürs Leben“

• Näher rücken

• Identität – Wer bin ich, wer will ich sein?

• Teilhabe – Ich bringe mich ein!

• Interaktion – Ich und andere!

• Klassenrat • Elternarbeit

• Klasseninterne Elternfeste von Schülern für Eltern

• Ehrenamt

• Projekte in der und für die Gemeinde(n)

• Grenzgänge

• Aktionen, die Schülerinnen und Schüler an Grenzen führen und sie heraus-fordern

(1 Tag pro Sj.)

Im Schuljahr 2013/2014 wird das Sozialcurriculum zunächst in den Klassenstufen 5, 6, und 7 in Zusammenarbeit von Frau Wilhelm und den Klassenlehrer(innen) eingeführt. Frau Wilhelm wird an den Veranstaltungen teilnehmen bzw. die Lehrkräfte entsprechend vorbereiten.

Da das Kollegium sich im letzten Jahr mehrheitlich gegen die Weiterführung des Projektes EDH ausgesprochen hat, wurde ein Ablaufschema zur Intervention bei dissozialem Verhalten entwickelt (s. Anlage).

Handlungsfähigkeit

Handlungsfähigkeit bedeutet, dass die in der Schule erworbenen Kompetenzen auch angewendet werden können. Dazu muss das Schulleben ausreichend Gelegenheit geben. Dies versucht die Grafeneckschule durch folgende unterrichtliche und außerunterrichtliche Aktionen zu erreichen:

Wesentlicher Bestandteil dabei ist eine Vielzahl an Praktika und Berufserkundungen im Rahmen der Berufswegeplanung, die im Portfolio der jeweiligen Klassenstufe hinterlegt ist (s. Anlage).

Aber gerade auch im Schulalltag spielt die Verwirklichung eigener Ideen und Vorstellungen eine große Rolle. Kooperationen mit Kindergarten und Pflegeheim tragen dazu bei, dass sich die Jugendlichen im sozialen Kontext erleben und bewähren können.

Die Ausbildung von Streitschlichtern soll im Schuljahr 2013/2014 angegangen wer-den, ist aber momentan noch nicht in das Sozialcurriculum eingebunden.

Die Fördervereinbarungen auf Basis der Ergebnisse der Kompetenzanalyse Profil AC werden als Projekte für andere Schüler (Fußballtraining, Bauchtanzkurs, Spielenachmittag für die Grundschule, Grillfest planen, …) angelegt, sodass die Schülerinnen und Schüler dadurch in die Schule hineinwirken, wobei ein ganzheitlicher Kompetenzerwerb gewährleistet ist und sie nicht für sich alleine an ihren Stärken und Schwächen arbeiten.

Es ist gute Tradition, dass Schülerinnen und Schüler Sportturniere für andere Klas-sen organisieren.

Es besteht eine Kooperation mit der „Stiftung Rehabilitation Heidelberg“. Es gibt integrative Klassen, seit 2012 auch in der Werkrealschule. Unsere Schülerinnen und Schüler erleben behinderte Menschen tagtäglich im Haus oder sogar in der Klasse und empfinden dies als Normalität.

 


Rahmenbedingungen

Das sind wir:

• Wir haben ein schönes Gebäude und eine gute Ausstattung

• Wir liegen in einem dörflichen Umfeld

• Wir haben eine Schulsozialarbeit

• Wir arbeiten mit der Stephen Hawing Schule zusammen

• Wir arbeiten mit verschiedenen Betrieben zusammen

• Wir bieten sonderpädagogische Diagnostik und Beratung

Zum Gelingen unseres Schulalltags tragen bei:

Stephen-Hawking-Schule, Eltern, Schüler, SMV, Hausmeister, Sekretärin, Förder-verein, Reinigungspersonal, Gemeinde, Kirchen, Vereine, Jugendbegleiterinnen, pädagogische Assistentin, Schulsozialarbeit, schulpsychologische Beratungsstelle, Beratungslehrer, Jugendamt, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Arbeitsagentur, Ausbildungs- und Praktikumsbetriebe, Betriebe im Allgemeinen, Banken, IHK, Ausbildungsbotschafter, Schulpatenschaften, Cafe Elch, Vereine, Kinderakademie Obrigheim, Ökomobil, Wirtschaftsjunioren

Das bieten wir:

• ein positives, ruhiges und ländliches Umfeld

• ein friedliches Lernklima

• eine überschaubare Schulgröße

• individuelle Hilfestellungen für Schüler

(Stephen- Hawking Schule, pädagogische Assistentin, …)

• eine Schulsozialarbeit

• unbürokratische und flexible Hilfestellungen und auch Problemlösungen

• verantwortungsbewusstes Begleiten

• realitätsnahe und konkrete Hilfe bei Berufsfindung und Lebensplanung

• Neigungsangebote und AGs (Lego-League, Chor, etc.)

• Hausaufgabenbetreuung

 

Das können wir:

• Liebevoller, freundlicher Umgang

• Wertschätzung von Kindern und Eltern

• Erfahrener Umgang mit Konflikten

• Schülersicht einnehmen

• Dinge in Frage stellen

• differenziert unterrichten

• neue Werkzeuge zum Lehren und Lernen ausprobieren

• Kontakte zu Betrieben knüpfen

• Beziehungen aufbauen

• Wir bieten kreative und individuelle Lösungen

• Wir zeigen Interesse, Engagement, Offenheit

Das wollen wir noch verbessern:

• Einbindung der Eltern

• Gestaltung der Elternabende

• Stärkere Einbindung der Schüler

 

Als Orientierungsrahmen auf unserem Weg dient uns die Teilnahme am Projekt „stark.stärker.WIR“, das unsere Anstrengungen im Bereich der Prävention systematisiert. Darüber hinaus orientieren wir uns an den Ergebnissen der Selbstevaluationsprozesse der Schuljahre 2010/11 bis 2012/13, die sich wiederum am Orientierungsrahmen zur Qualitätssicherung ausrichtete und weiter ausrichten wird.

Kooperationspartner

Apinex Kunststofftechnologie

Guido Wolf GmbH

Die Johanniter

Lernwerk e.V.

Golfclub Heidelberg-Lobenfeld

Sparkasse Kraichgau

 Volksbank

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